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Urlaub & Freiheit

Du hast Urlaub. Endlich. 

 

Ihr habt eine Reise ans Meer geplant. Mit Familie und Freunden.

Nach einer mehr oder minder beschwerlichen Anreise seid Ihr angekommen.

Ihr habt ein tolles Hotel oder eine schöne Ferienwohnung.

Eine Umgebung zum Wohlfühlen. 

Du hast Deinen Koffer noch nicht ganz ausgepackt und noch nichts gegessen.

Das kann auch alles warten, denn es zieht Dich ans Meer. 

Schon nach ein paar Schritten die Straße entlang hörst Du das Meer.

Du hörst, wie die Wellen brechen, wie sie an den Strand gespült werden.

Vögel kreischen. Sind es Möwen?

Du riechst diese besondere Luft. Etwas salzig. Frisch. Du atmest tief ein und aus.

 

Kurz darauf stehst Du am Strand.

Du ziehst die Schuhe aus und läufst barfuß durch den warmen Sand.

Spürst Du, wie die feinen Sandkörner zwischen Deinen Zehen kitzeln? 

Du gehst ans Ufer. Mit einer perfektionierten Regelmäßigkeit kommen leichte Wellen an. Sie formen schöne geschwungene Linien im Sand. Du spürst einen Temperaturunterschied zwischen dem warmen trockenen Sand und dem nassen.

Du läufst am Ufer entlang. Hinterlässt Fußabdrücke, die kurz darauf vom Wasser umspült werden und anschließend komplett verschwinden.

So als wären sie nie da gewesen. 

 

Du hast Dir sogar ein neues Badeoutfit gekauft. So sehr hast Du Dich auf diesen Urlaub gefreut. Die Sonne brennt auf Deiner Haut und Du möchtest Dich abkühlen. 

Das Wasser ist erfrischend und so läufst Du einige Schritte weiter rein.

So weit, bis das Wasser Dir an die Brust reicht. 

Das Wasser fühlt sich angenehm an. Du fühlst Dich leicht. 

Du schwimmst.

 

Nach ein paar Zügen drehst Du Dich um und siehst die Anderen am Strand winken. Sie rufen Dir etwas zu, aber Du kannst sie nicht verstehen.

Du möchtest zurück und willst Dich mit den Wellen an den Strand treiben lassen.

Doch da sind keine Wellen. Du drehst Dich nach rechts und nach links - und kannst Deine Richtung doch nicht ändern.

Eine unsichtbare Kraft, die Dich zwingt, weiter zu schwimmen. Weg vom Ufer. 

Du versuchst erneut zu wenden. Du drehst Dich. Immer wieder.

Schwimmst los und willst zurück an den Strand.

Es gelingt Dir nicht.

Du hörst sie rufen. Lachen.

Mit jedem Zug entfernst Du Dich weiter vom Strand. Es erschöpft Dich immer mehr, gegen diese unsichtbare Kraft anzukämpfen und je mehr Du es versuchst, desto weiter entfernst Du Dich.

Da ist eine Boje neben Dir.

Ab hier beginnt es also, das offene Meer.

Noch immer schwenkt Dein Blick zwischen den Anderen am Strand und der Weite des Meeres hin und her.

Du winkst. Du rufst. Versuchst, so auf Dich aufmerksam zu machen.

Doch keiner nimmt Dich wahr. 

Ob sie nicht merken, dass Du schon eine ganze Weile weg bist?

Du klammerst Dich für eine kurze Verschnaufpause an die Boje. 

Und Dir wird langsam klar, dass es nur eine Richtung gibt. Nur eine geben kann.

Raus aufs Meer. Weg vom Strand. Immer weiter.

Trotz aller Ängste und lauernden Gefahren schwimmst Du los. 

Du kannst gar nicht anders, denn da ist ja diese unsichtbare Kraft, die Dich weiter treibt.Du schwimmst.

Du vermisst den warmen Sand unter Deinen Füßen; die Sonne, die Dir den Rücken wärmt.

Du lässt die Anderen zurück. Die, mit denen Du doch den Urlaub verbringen wolltest.

Deine Sachen im Koffer - sie bleiben zurück. 

Tränen laufen Dir über die Wangen. Du weinst.

Schmeckst Du wie salzig Deine Tränen sind? 

Du fragst Dich, ob dieses Meer aus den Tränen derer entstanden ist, die es durchschwommen haben. Durchschwimmen mussten.

Unter Dir ist nur Wasser und der Meeresgrund. Immer tiefer.

Und doch schwimmst Du weiter.

In der Hoffnung auf Land.

Für die großen Entdeckungen neuer Länder wird es nicht reichen. Die Zeit der Eroberer ist vorbei.

Und doch wirst Du Wellen kennenlernen, von deren Kraft und Größe Du berichten kannst - weil Du sie durchschwimmen wirst. 

Du wirst überleben.

Du wirst Tiere und Ungeheuer entdecken, die kein Anderer zuvor gesehen hat - weil Du hin und wieder abtauchen wirst, in die tiefsten Tiefen diesen Meeres.

Du wirst überleben.

Du wirst Geschichten hören von Menschen, die einst wie Du in einen Urlaub aufgebrochen sind und nun dieses Meer durchschwimmen.

Geschichten von Menschen, die in diesem Meer treiben, weil sie Schiffbruch erlitten haben.

Menschen, deren Tränen dieses Meer formen.

Du. Ihr. Wir. 

Überleben. 

 

Und irgendwann wird da Land sein.

Sie werden da sein. Alle.

Die, mit denen Du einst in den Urlaub aufgebrochen bist.

Die, die Dir nachgeschwommen oder schon vor Dir durch die Wellen sind.

Sie werden da sein. Alle.

Du wirst warmen Sand unter den Füßen spüren und die Sonne wird Deinen Rücken wärmen.

Deine Tränen werden nicht mehr salzig sondern süß schmecken. 

Es erinnert Dich an Urlaub. 

Doch dies ist kein Urlaub. 

 

Du bist frei. Endlich.

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