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Baywatch 4.0

Wenn ich jemandem erklären will, warum ich die Schul-Mathematik nicht für lebensrelevant erachte, erzähle ich von einer Aufgabe in meiner Prüfung.

In der Aufgabe zu sehen war ein Teich mit eingezeichneten Punkten A (im Teich), B und C außerhalb.

A war die Position eines Ertrinkenden.

In der Aufgabe wurde angegeben mit welcher Geschwindigkeit man von Punkt B (Standort) schwimmend zu A gelangt. Ebenso angegeben, welche Geschwindigkeit man laufend von B zu C annehmen kann um dann von dort schwimmend zum Ertrinkenden zu gelangen.

So weit sehr vereinfacht dargestellt.

Natürlich gab es noch diverse Angaben zu Geschwindigkeit und wenn/dann usw.

Natürlich sollten (für mich) höchst komplexe Formeln genutzt werden.

Mir hat sich der Sinn einfach nicht erschlossen. Weil es mir so realitätsfern erschien.

Anwendbare Mathematik. Fürs Leben lernen. 

Nee. So nicht. 

Ich mein; wenn jemand ertrinkt, fang ich an zu Retten. Ohne Analyse. Ohne Rechnung. Oder?

Okay, es wäre definitiv weniger spektakulär als in Baywatch. Ich hab auch gar keinen roten Bikini.

Und zu meinen dunkelblonden Haaren haben sich einige graue Freunde gesellt.

Ganz abgesehen davon, dass ich ein wirklich mieser Schwimmer bin. Eher Typ gemütliche Paddelente. 

Ich kann also nur hoffen, nie in eine solche Situation zu gelangen. Als Retter.

Was aber, wenn ich der Ertrinkende bin. 

Punkt A.

Ich erwarte sofortige Hilfe. Rettung aus meiner ausweglosen Lage.

Und dann steht da wer an Position B - und springt rein. Hoffnung.

Oder es bewegt sich jemand von Position B zu C.

Läuft der etwa weg?

Verzweiflung. Panik. 

Aber was, wenn ich von Position A die anderen (B und C) gar nicht sehen kann? Vielleicht wächst da Schilf? Wellen? Nebel? Tag oder Nacht?

Ich finde, die Mathematik macht es sich einfach.

Da steht was auf dem Papier. Kein Spielraum für Mutmaßungen oder „was wäre wenn“. 

Den Angaben der Aufgabe nach gibt es eine Rettungsgarantie. 

Anwendbare Mathematik. Schöne Theorie.

Aber keinesfalls so spektakulär wie Baywatch.

Keine kleinen Nebensätze. 

Kein Platz für Befindlichkeiten.

Und irgendwie ist das Leben doch eine Mischung.

Aus naturwissenschaftlich anwendbarer Theorie, die scheinbar eine Lösung für alles parat hält und einer überzogenen Soap aus den 90ern mit viel Drama und TamTam.

Und während ich das hier schreibe, muss ich doch ein wenig schmunzeln.

Weil ich die (unfreiwilligen) Akteure meines Mathe-Baywatch vor mir sehe.

Da ist niemand mit ner 1 in Mathe.

Keiner mit nem Sixpack a la Hasselhoff und ich glaube, rote Bademode steht allen auch nicht besonders gut. 

Aber sie haben bunte Schwimmreifen aufgeblasen um sie als Rettungsring zu nutzen.

Manch einer hat einen Schwimmkurs auf YouTube geschaut. Und andere warten mit Handtüchern am Ufer auf mich.

Hey, Ihr da Draußen - Ihr seid nicht alle scheisse und auch keine gefühlskalten Ignoranten.

Vielleicht habe ich unterschätzt was so ein Notfall mit den unfreiwilligen Ersthelfern macht...

Ganz bestimmt habe ich das unterschätzt.

Und vielleicht fühl ich mich als Opfer in dieser Serie obwohl ich doch der Star sein wollte.

Und definitiv nicht ohne Grund hatte ich ne 4 in Mathe und das Seepferdchen war die erste Prüfung die ich verkackt habe. 

Danke, dass Ihr trotz fehlender Gage und der grausamen Story immer wieder am Set erscheint.

Und wenn Ihr jetzt bitte noch die Titelmelodie von Baywatch googelt und den Song hört, ist alles gesagt, oder?

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