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Die Zeit heilt (k)eine Wunde

Die Zeit heilt eine Wunde.

Das tut sie und doch tut sie’s nicht.

Da ist die Verletzung am Knie.

 

Mit 14 Jahren hielten eine Schulfreundin und ich es für eine grandiose Idee, gemeinsam, aneinander geklammert wie kleine Affen, auf einem Skateboard einen steilen asphaltierten Feldweg hinunter zu fahren.

Das Ergebnis: so wie wir gestartet sind, sind wir unten nicht angekommen.

 

Dazu gab es einige  Schrammen, diverse Prellungen und eine fiese Platzwunde am linken Knie.

Mit etwas Schonen, Salbe und Kühlung waren die Prellungen schnell überstanden.

Wie schmerzhaft das war, kann ich heute kaum noch beurteilen.

Anders bei der Wunde am Knie.

Kaum war sie geschlossen, hat mein bewegungsfreudiges Verhalten, ein Zusammenstoß beim Fußballspiel, ein erneuter Sturz sie wieder geöffnet. Neue kleine Risse hinzugefügt.

Etliche Pflaster, Klammern und diverse Wundsäuberungsvorgänge haben ihre Spuren hinterlassen.

 

Wenn ich auf mein linkes Knie schaue, ist dort, wo wochen-, ja monatelang immer wieder blutende Stellen waren, eine Narbe.

Heller als das umliegende Gewebe. 

Deutlich abgegrenzt. Eine Narbe.

 

Die Wunde am Knie ist irgendwie verheilt.

Und doch irgendwie auch nicht. 

Weil diese Stelle nie wieder so aussehen wird, wie vor dem Moment, als mit 14 halb lachend, halb weinend auf dem Feldweg saß.

Mit zerrissener Hose und blutverschmiert. 

Auf dem selben Feldweg, auf dem einige Jahre zuvor eine Nachbarin tödlich verunglückt ist, als sie mit dem Fahrrad gestürzt ist.

 

Heute, 20 Jahre später, kann ich viele Details von meinem Unfall nicht mehr wiedergeben. 

Die Erinnerungen sind etwas verblasst. 

Aber nicht vergessen.

Ich bin wieder die 14 jährige, die blutverschmiert und mit Schmerzen, aber vollgepumpt mit Adrenalin, auf einem Feldweg sitzt.

 

Same Same, but different.

 

Und so ähnlich sich manche Erlebnisse sind, so verschieden sind doch die Menschen dahinter. 

Wo einerseits Pflaster reichen, kann andererseits eine OP notwendig werden.

Wo manch einer mit blauem Auge davonkommt, verliert ein anderer sein Sehvermögen.

 

Gemeinsamkeiten und Unterschiede sollten gleichermaßen mit Akzeptanz und Wertschätzung bedacht werden.

 

Denn der Tod Deines Kindes ist eine Wunde, dessen Narbe Du erst an Deinem eigenen Lebensende vollständig erkennen kannst. 

Weil sie sich bis dahin verändert. Jeden Tag.

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