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Achterbahn

Life is a rollercoaster, just gotta ride it....

 

Klartext: was sich im Lied so beschwingt anhört, fühlt sich aufs echte Leben und die Trauer bezogen ziemlich beschissen an.

 

Ich sitze nämlich in einem dieser Wagen.

Ich glaube er ist grau, aber je nach Lichteinfall schimmert er auch in Farben. Irgendwie bunt. 

Ich sehe keinen Rost; keine lockeren Schrauben - der Wagen scheint neu zu sein. 

 

Wie in Zeitlupe rattert der Wagen auf einer Geraden über den Start, bevor er langsam nach oben gezogen wird. Um dann für einen kurzen Moment auf der Spitze anzuhalten und mich tief nach unten blicken zu lassen. 

Keine Zeit nachzudenken, sich vorzubereiten - es geht schon los. 

Mit einer affenartigen Geschwindigkeit wird der Wagen nach unten geschossen.

Mein Magen zieht sich zusammen - Adrenalin, ja.

Aber Glücksgefühle? Fehlanzeige. 

Ich versuche, mich an den rutschigen schmierigen Sicherheitsbügel vor mir zu krallen - aber Halt finde ich keinen.

Es geht im Zickzack mal rechts mal links herum, viel zu schnell, um zu sehen, wer da am Rand steht und zusieht. 

Viel zu schnell um mal zu winken. 

Und keine Möglichkeit rechts ranzufahren, die Aussicht zu genießen oder eine Pause einzulegen.

Loopings. Was wäre eine Achterbahn ohne Loopings.

Also rattert dieser Wagen unaufhaltsam die Schienen entlang; bis ich kopfüber hänge.

Manchmal rast er durch die Loopings durch; nimmt einen nach dem anderen - ich halte die Luft an und hoffe, dass es schnell vorbei ist. Meine Haare sind vom Fahrtwind verweht und müssten mal gekämmt werden.

Das T-Shirt sitzt auch nicht mehr richtig und überhaupt, gegessen habe ich auch noch nichts.

 

Manchmal hält der Wagen abrupt an.

Ich hänge dann meist kopfüber oder schräg in einer Kurve; unfassbar anstrengend, so sein Gleichgewicht zu halten. Und immer passiert es irgendwo mittig auf der Strecke. Wahrscheinlich weil es einen kleinen Defekt gibt. In der Regel wird der schnell behoben, so dass ich kaum merke, dass die Fahrt ins Stocken geraten ist.

Und schon geht es so rasant weiter wie es gestoppt hatte.

 

Die meisten Achterbahnfahrten gehen eine, manchmal zwei, Runden.

Jedes Mal, wenn mein Wagen über die Zielgeraden rattert, mache ich mich also bereit zum Aussteigen.

Will meinen Platz einem Anderen überlassen. 

Spaß hatte ich im Übrigen keinen.

Aber das muss ja erstmal keiner wissen; der Betreiber muss damit ja auch sein Geld machen um über die Runden zu kommen. 

 

Aber mein Wagen hält wieder nicht an.

Mein Sicherheitsbügel hält mich fest im Sitz - keine Möglichkeit zu lockern. 

Die Leute am Rand schütteln den Kopf oder schauen weg wenn ich vorbeifahre - scheinbar will hier doch keiner rein. Mitfahren auf diesem Höllenritt.

 

Also geht es wieder los. 

Langsam wird mein Wagen nach oben gezogen...

Ich ahne schon, was gleich kommen wird. 

 

Der schier endlose Fall nach unten, von rechts nach links geschleudert werden...

Und alles mit einer rasanten Geschwindigkeit. Keine Möglichkeit zu bremsen. Keine Möglichkeit anzuhalten. Irgendwie steuernd einzugreifen. Völlig ausgeliefert. 

 

Moment! Das ist doch... hier sollte es links gehen..

Ich schreie und stelle fest: das ist eine andere Strecke!!!

Und irgendwo im Hintergrund höre ich dumpf Ronan Keating singen „na na na na na....“.

 

Und ich frage mich:

Tschuldigung, wo sind denn hier die Kotztüten?

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