Leefke

Leefke ist ein absolutes Wunschkind.

 

Die ersten Wochen der Schwangerschaft waren geprägt von Übelkeit und ständigem Erbrechen.

An manchen Tagen konnte ich mich kaum auf den Beinen halten.

Das war schon ein seltsames Gefühl - man hat ja weder einen Bauch gesehen, noch Bewegungen gespürt.

Und trotzdem war da von Anfang an unendliche bedingungslose Liebe zu unserem Baby.

In der 13. Woche war ich zur Feindiagnostik. Wir wollten eine umfassende Untersuchung und wissen, ob es unserem Baby gut geht.

Der erste Schock: die rechte Niere ist etwas vergrößert. Aber nichts Beunruhigendes - es wird beobachtet und verwächst sich meist.

 

Wir haben auch einen Tip bekommen - unser Baby soll ein Mädchen sein.

 

Als wir unseren Familien davon erzählt haben, war Leefke aber unser Hamsti.

Die Ähnlichkeit auf dem Bild ist doch sehr verblüffend. Wir haben uns so auf unser Baby gefreut.

So klein und winzig in meinem Bauch.

Die folgenden Wochen war ich einfach nur glücklich - ein gesundes Baby in meinem Bauch.

Wir sind endlich eine Familie. Bis auf die anhaltende Übelkeit schien einfach alles perfekt.

Ab der 16. Woche hat man auch endlich einen kleinen Bauch gesehen und bald darauf war es, als würden Seifenblasen in meinem Bauch platzen. Ich konnte unser Baby endlich spüren.

Wir hatten schon früh begonnen uns Namen auszusuchen. Aber keiner  schien perfekt. Bis wir im Internet nach alten nordischen Namen gesucht haben - und da war er. Leefke.

Die Bedeutung "kleine Liebe" ist einfach so treffend.

Unser kleines Baby ist unsere große "kleine Liebe".

Leefke. So soll unsere Tochter heißen.

 

Beim Ultraschall um die 24. Woche stellte der Arzt fest, dass die rechte Niere sich weiter stark vergrößert und sich Zysten gebildet haben. Wir wurden zu einem Spezialisten überwiesen, der prüfen sollte, ob eine vorgeburtliche Operation; eine Punktion der Zysten, notwendig sei, damit sich Lunge und Herz gut entwickeln können.

 

Bis zum Termin waren wir so angespannt - unser Mädchen soll bitte nicht krank sein. Aber wir waren gewillt, alles für unser Baby zu tun.

Die Untersuchung brachte Klarheit - die rechte Niere ist nicht existent. Dafür massiv große Zysten. Aber kein Anlass zu einer OP.

Wenn die Entwicklung von Herz und Lunge so bleibt, wird nicht eingegriffen. Mit einer Niere kann man prima leben. Wir haben viel recherchiert; uns einem Verein für vorgeburtlich erkrankte Kinder angeschlossen, Informationen von anderen betroffenen Familien erhalten und waren sicher - unser Mädchen wird ein ganz normales Leben führen können.

Wir blieben in enger Kontrolle und auch alle fortlaufenden Untersuchungen ergaben stets, dass sich unser Baby prächtig entwickelt und nichts gegen eine spontane Geburt spricht.

Auch hinzugezogene Nierenspezialisten und Kinderärzte waren positiv und nichts gab Anlass zur Beunruhigung.

Leefkes Werte waren immer super.

Ich habe alle zusätzlichen Tests nach diversen Infektionen etc. gemacht und auch da war alles immer ok. Ideale Werte.

Wir waren so glücklich und haben nach und nach angefangen, das Kinderzimmer vorzubereiten, Kinderwagen auszusuchen, Kleidung zu kaufen... alles schien so perfekt und wir konnten den Jahreswechsel kaum erwarten. In all den Wochen war es das Schönste unsere Maus zu spüren; zur Musik hat sie immer wild getanzt, an Papas Hand hat sie sich immer besonders doll angekuschelt.

Wir hatten so viele wundervolle Momente mit unserer Babymaus. Unserer Leefke.

Nie haben wir gedacht, dass etwas Schlimmes passieren könnte.

Wir haben uns darauf eingestellt, die erste Woche nach der Geburt in der Klinik zu bleiben - zur Sicherheit.

Wir haben uns darauf eingestellt, vielleicht den ein oder anderen Arzttermin mehr haben zu werden um die Nierenfunktion zu überwachen. Mehr nicht. 

Und dann kam er. Der Tag, an dem unser Leben aus den Angeln gehoben wurde.

Es war der 2. Januar 2021.

 

Da ich Leefke den ganzen Tag nicht gespürt hatte, sind wir am Nachmittag "zur Sicherheit" in die Klinik.

Das Einzige, was passieren könnte, wäre, dass sie mich zur Geburt da behalten - so dachten wir.

 

Als die Ärztin dann kurz nach Ansetzen des Ultraschall still blieb und sich neben mich auf die Liege setze,

wusste ich es. Sie nahm meine Hand und sagte "es tut mir leid, aber ich finde keinen Herzschlag".

Ab diesem Moment war nur noch Leere. Nichts. Auch heute noch finde ich keine Worte um das Erlebte zu beschreiben.

Es war einfach so unwirklich und ich weiß wirklich nicht, was ich gefühlt und gedacht habe. 

Da war Leere. Endlose Leere. Fallen. Kein Halt.

Also saßen wir nur da. Fassungslos.

 

Am folgenden Tag sollte ich morgens in der Klinik eingeleitet werden.

Den ganzen Tag verbrachten wir auf dem Stationszimmer. Wir standen noch immer völlig neben uns.

Kein klarer Gedanke. Aber irgendwie haben wir es noch geschafft, Familie und Freunde zu informieren. 

 

Gegen 17 Uhr ist die Fruchtblase geplatzt und ich wurde in den Kreißsaal verlegt.

Gegen 21.30 Uhr bekam ich eine PDA, die leider nur einseitig gewirkt hat. Die Wehen waren für mich immer noch schmerzhaft spürbar. Da für Leefke durch Medikamente keine Gefahr mehr bestand, bekam ich zusätzlich sehr starke Schmerzmittel. Ich war durch die Medikamente und den Schock noch immer wie gelähmt. 

Alles war so surreal. Wie in einem Film. Ich stand völlig neben mir.

 

Gegen 3 Uhr morgens am 4. Januar bat mich die Hebamme, aktiv zu werden und unsere Tochter zur Welt zu bringen. Nach einigen Wehen war sie da. Unsere Leefke. Unsere Tochter. 

 

Ich durfte sie in den Arm nehmen und plötzlich war ich wieder klar. Ich war so präsent. Mit allen Sinnen.

Da war sie, unsere Tochter. Unsere Maus. Unsere Leefke.

Und nach den ersten Tränen war das Erste, das ich sagen konnte "hej, kleine Leefke".

 

Ich habe sie in meinen Armen gehalten, ihren Kopf gestreichelt. Ihre süße Stupsnase und ihre Ohren gekrault.

Ich habe ihre kleinen Füße in meine Hände gelegt. Ihre wundervollen schönen Hände in meiner Hand gehalten.

Mein Mädchen. So perfekt. So vollkommen.

Ich war durch und durch erfüllt mit Liebe. So viel Schmerz. Und so viel Liebe.

 

Ich habe nie etwas Schöneres und Vollkommeneres gesehen als unsere Tochter.

Sie in den Armen zu halten, nach all den Monaten endlich kennenzulernen, war das Schönste, dass ich je erleben durfte.

Der Schmerz, sie nicht bei uns zu haben, ist in Worten nicht zu fassen.

 

Die Obduktion unserer Tochter ergab, dass wir ein gesundes Mädchen zur Welt gebracht haben. Dass die fehlende Niere keinen Einfluss auf ihr Sterben hatte. Leefke könnte leben.

Eine nicht erkannte Plazentainsuffizienz wurde als Ursache ermittelt. Die Frage nach dem Warum bleibt ewig offen.

 

Wir sind unendlich stolz auf unsere wundervolle Tochter und dankbar dieses Wunder erlebt zu haben. Sie fehlt uns so sehr.

 

 

Mit ihrer Geschichte und diesem Blog möchte ich eine Erinnerung an Leefke schaffen.

Bleibt uns als Eltern ja nur der Wunsch, dass unser kleines Mädchen nie vergessen wird.

 

Leefke.

Wir lieben Dich.


Leefke.

4. Januar 2021 / 3230 g / 52 cm

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